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Baptisten

Hamburger Hafen, 22. April 1834, Abenddämmerung. Im Hamburger Hafen geschah Merkwürdiges. Auf der Insel Steinwerder, da wo heute der König der Löwen brüllt, versammelte sich eine Handvoll Frauen und Männer und feierten einen Taufgottesdienst. Der Hamburger Buchhändler Johann Gerhard Oncken war der erste, der sich an diesem Abend taufen ließ. Tags darauf, am 23. April, wurde die erste Baptistengemeinde auf dem europäischen Kontinent gegründet.

Während seiner Lehrzeit in England wohnte Oncken bei einer gläubigen Familie und lernte dort den christlichen Glauben kennen. Beim Studium der Bibel erkannte er, dass die Säuglingstaufe zwar kirchliche Tradition war, in der ganzen Bibel aber kein einziges Mal nachzuweisen ist. Vielmehr sprechen die biblischen Texte davon, dass Glaube und Taufe nicht voneinander zu trennen sind: Wer an Jesus Christus gläubig geworden war, ließ sich taufen und bekannte damit, dass er nun zu Christus gehört. Oncken war davon überzeugt: Zu den Kennzeichen der Kirche muss die Taufe gläubig gewordener Menschen gehören.

Freilich: „Baptisten“ nannte sich die neue Gemeinde nicht selbst. Dieser Name wurde ihr von Außenstehenden gegeben. Das Wort „Baptisten“ kommt aus dem griechischen und heißt „Täufer“, und mit diesem Begriff wurde das Kennzeichen benannt, das die Gemeinde von den Kirchen mit anderer Taufpraxis unterscheidet.

Heute gibt es in Deutschland ca. 800 Baptistengemeinden mit ungefähr 85 000 Mitgliedern.

Damit sind die Baptisten in Deutschland zwar eine kleine Kirche, neben den beiden großen Konfessionen die größte Freikirche. Weltweit allerdings gehören sie zu den großen Glaubensgemeinschaften.

„Freikirche“ bedeutet: Wer Mitglied werden will, tut es aufgrund einer freiwilligen Entscheidung. Zum Wesen des Glaubens gehört einfach Freiheit und Freiwilligkeit. Freikirchen bemühen sich um eine weitestgehende Unabhängigkeit vom Staat. Kirchensteuern sind ihnen fremd. Die Gemeinden finanzieren ihre Haushalte ausschließlich über die freiwilligen Beiträge ihrer Mitglieder.

Wer im Telefonbuch unter dem Stichwort „Baptisten“ die nächste Gemeinde sucht, dürfte ein Problem haben. In Deutschland findet man uns unter der Bezeichnung „Evangelisch-Freikirchlich“. Das führt oft zu Verwirrung, und wir sind auch nicht gerade glücklich damit. Der Grund für den Namen „Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde“ ist ein geschichtlicher:

In der Zeit des sogenannten „Dritten Reiches“ stand eine andere freikirchliche Gemeindebewegung kurz vor dem Verbot durch die Nazis, weil sie verfasste Strukturen wie z.B. Mitgliederlisten ablehnte. Dadurch entzog sich diese Bewegung, der „Bund freier Christengemeinden“ (BfC) der staatlichen Kontrolle. Um dem Verbot zu entgehen, kam es zum Zusammenschluss des kleineren BfC mit den Baptistengemeinden. Es kam zur Gründung des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

Die zwischenkirchlichen Auseinandersetzungen gehören mittlerweile der Vergangenheit an. Baptisten arbeiten heute gemeinsam mit den evangelischen Landeskirchen, der katholischen Kirche und anderen Freikirchen zusammen und prägen das Bild der Ökumene mit. Die Intensität der Zusammenarbeit ist sicher von Ort zu Ort verschieden. In Hamburg ist sie sehr intensiv.

Weitere Informationen unter www.baptisten.de